GCLeaks - ich will auch mal!

Nachdem ich die ganze Diskussion um die „GCLeaks-Affäre“ (zugegebenermaßen ein wenig amüsiert, sorry!) verfolgt habe, möchte ich mich diesbezüglich auch mal zu Wort melden.

Meiner Meinung nach wird von allen Seiten völlig überreagiert. Das Cachen ist und bleibt ein Hobby, und hier sollte sich niemand zu wichtig nehmen.

 

Vereinsmeierei ist grundsätzlich was für’n Arsch. Der alte Satz „Nach oben buckeln, nach unten treten“, gilt nicht nur für die Hierarchie in Firmen ind Unternehmen, sondern findet insbesondere auch in Vereinen, egal welcher Couleur, seine praktische „Anwendung“.

Nur ist es in Vereinen zumindest noch so, dass man nicht unter die Gürtellinie tritt, und wenn doch, dann meist relativ dezent, denn man will seinem Gegenüber ja noch in die Augen schauen können, auch, wenn man sie ihm viel lieber ausstechen würde.


Aber beim Verein „Geocaching“ läuft alles eine Spur drastischer ab. Durch die Anonymität des Internetzes wird getreten, was das Zeug hält, ohne Rücksicht auf Verluste.

Hier werden reihenweise Augen ausgestochen, denn man kann schließlich in keiner Form belangt werden, da man sich hinter irgendeinem Nickmamen und/oder Account verstecken kann.


Letztlich stellt sich doch die Frage, wie wichtig eine Plastikdose an einem Baum oder Busch ist, dass man sich deswegen dermaßen aufregen kann, wie das aktuell der Fall ist.


Vielleicht fällt es mir als jemandem, der Mysterys nicht sonderlich mag, da ich das Spiel lieber im ursprünglichen Sinne spiele, auch einfacher, dazu Stellung zu beziehen, weil es mich nicht betrifft und ich die Fragezeichen-Caches meist ignoriere.

 

Ich polarisiere mal und finde es – und jetzt ziehe ich mir vermutlich den Zorn aller Mystery-Owner zu – völlig okay, wenn die Koordinaten von irgendwelchen hochkomplizierten oder auch weniger komplizierten Rätseln im großen Rahmen veröffentlicht werden. Im Kleinen passiert das doch dauernd, man muss nur jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt, und schon kann man sich - ganz legitim - im Logbuch des kompliziertesten Fragezeichen-Caches, der je gelegt wurde, eintragen.

Wo liegt da, bitteschön, der Unterschied, wie man an die Koordinaten gekommen ist? Doch nicht ernsthaft in der Dimension, oder?

 

Ich habe einige wenige T5-Logs, obwohl ich nicht klettern kann. Ich habe einige wenige D5-Logs, obwohl ich mir die Rätsel nicht mal angesehen habe und sie in 1000 Jahren nicht lösen könnte.

Aber ich war dabei und stehe im Logbuch. Deswegen habe ich kein schlechtes Gewissen, in keiner Form.

Ich habe mich noch nie in ein Logbuch eintragen lassen, wenn ich nicht vor Ort war und die Dose zumindest gesehen habe. Stimmt nicht, einmal war das der Fall. Aber davor war ich zumindest schon zweimal vor Ort, als die Dose nicht da war.

Wenn ich beim Fund dabei bin, ist ein Logeintrag legitim, das finde ich zumindest. Ansonsten dürfte sich bei einem Rudel- oder Gruppenfund tatsächlich immer nur derjenige ins Logbuch eintragen, der die Dose tatsächlich gefunden hat, unabhängig davon, ob es ein T5, D5, Leitplanken-Tradi oder Mystery ist.

Und schließlich will auch ein Mystery mit „geklauten“ Koordinaten erstmal gefunden werden.


Was mich persönlich stört, ist nicht, dass so etwas wie diese „Affäre“ passiert, sondern, wie damit umgegangen wird.

Da ist von „Betrügern“, „unehrlichen Cachern“ und „ehrlichen Findern“ die Rede, da kotzen sich Owner aus, als sei ihr Fragezeichen das wichtigste auf der Welt.

Wer dermaßen die Beherrschung verliert, ist keinen Deut besser als diejenigen, die eigentlich dafür verantwortlich sind.

Der Umgangston war und ist leider immer noch häufig jenseits dessen, was man „gute Kinderstube“ nennt, aber wenn man ins selbe Horn stößt, ist das nicht gerade eine Form von Deeskalation.

 

Letztlich ist alles immer noch ein Spiel und kein Weltkrieg.

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Kommentare: 7
  • #1

    Clownfisch (Mittwoch, 11 Februar 2015 09:51)

    Wenn ich das so lese, dann bestärkt mich das in meiner Meinung, mit der Archivierung meiner Fragezeichen alles richtig gemacht zu haben. Wozu soll ich denn noch Dosen auslegen, wenn es überall toleriert wird, dass Finalkoords im großen Umfang getauscht werden? Wenn keiner mehr die Mühe anerkennt, die sich die Owner mit den Dosen machen, dann kann man sich die Arbeit gleich sparen.

    Die Idee hinter hinter Tradis und Multis war mal das Suchen und Rätseln vor Ort. Der Sinn von Mysterys war, zu Hause die Zeit zu überbrücken, wo man nicht draußen sein kann, etwas bei Rätseln zu lernen oder die Gehirnzellen anzustrengen. Für diejenigen, denen die eine oder andere Cacheart nicht gefällt wurde der Ignore-Button eingefügt. Aber sicherlich war es nie im Sinne des Erfinders, dass man die Koords einfach spoilert. Dies wurde erst zur Praxis als die Statistik für alle wichtiger wurde als der Spaß beim Suchen oder in die Bewegung in der Natur.

  • #2

    Jörg (Mittwoch, 11 Februar 2015 10:14)

    Respekt! Glückwunsch zu Deinem sehr mutigen Artikel. Da kann ich mich in vielen Aussagen wieder finden!

    Gruß Jörg

  • #3

    Klauscache (Mittwoch, 11 Februar 2015 14:10)

    Die Verharmlosung des Hacks und der Liste macht mich schon sehr traurig, die Argumente kann ich nicht nachvollziehen.
    Ich halte es da wie Clownfisch. Mal auf nem Event nach einem Tipp fragen ist das eine, aber direkt ne Liste mit x-tausend Finals zu haben, diese zu nutzen und alles toll zu finden ist schon sehr schwach bis arm.

  • #4

    lichtinsdunkels-geocachin (Mittwoch, 11 Februar 2015)

    Ich weiß nicht, ob ich etwas verharmlose, oder ob etwas, das für den Fortlauf der Welt völlig unerheblich ist, zuvor künstlich aufgeblasen wurde.
    Die entsprechenden Fragezeichen werden halt kurzzeitig öfter gefunden, bis wieder Ruhe einkehrt, und sich nur noch "ehrliche" Finder oder "halbehrliche", die die Koordinaten von einem befreundeten Cacher oder auf einem Stammtisch gesteckt bekommen, ins Logbuch eintragen werden.
    Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass ich die Liste "toll" finde, aber ich habe auch nichts dagegen einzuwenden.
    Toll fände ich persönlich lediglich eine Liste mit den ganzen Mystery-Koordinaten in meiner Umgebung. Denn auf der Karte sind dort fast nur Smileys und haufenweise Fragezeichen. Ich bin Dreckbuddler und würde auch die Fragezeichen gerne finden, für mich wären es mit den passenden Koordinaten halt normale Tradis.
    Und - ganz ehrlich - mich persönlich stören die zunehmenden Fragezeichen sogar. Nicht, weil sie mir als jemand, der mit Rätseln absolut nix am Hut hat, verwehrt bleiben, sondern weil dort stattdessen auch genau so gut ein Tradi oder ein schöner Multi liegen könnte, den ich ablaufen könnte, und denen die Fragezeichen quasi den Platz wegnehmen.
    Nichts gegen die Mühe der Owner von komplizierten Mysterys, aber viele Leute, so wie ich, bleiben dann halt außen vor.
    Ich möchte diese Dosen nicht auf die "Ignore-Liste" setzen, sondern sie dennoch finden, denn das, worum es für mich geht, ist die Bewegung und der Spaß am Dosensuchen, und nicht das stundenlange Am-Rechner-Sitzen, um Dosen finden zu können.

  • #5

    GCLeaks (Samstag, 05 September 2015 18:04)

    Wer sich über Seiten wie GCLeaks (künstlich) aufregt, der sollte niemals auf einem Event beim Tauschen von Final-Koords erwischt werden.
    Niemand geht mit einer Liste von zig tausend Final-Koords aus der halben Welt los und loggt alle. Es ging schon immer um die eigene Homezone, in der (leider) meist nur hinter einem Fragezeichen eh nur der nächste Micro wartet. In diesen Zeiten, wo der Micro im Wald zum Regular (=eigentlich reguläre Cachegröße) wird, dort kann man auch mal an einem größeren "Stammtisch" wie z.B. GCLeaks teilnehmen. Communities, GPX-Listen oder Seiten wie GCLeaks zu verteufeln und sich trotzdem explizite Hints irgendwo einzuholen ist nichts anderes als Doppelmoral ;-)

  • #6

    Fish (Donnerstag, 15 Oktober 2015 11:02)

    Ganz genau so wie du sehe ich das auch, schöner Artikel!
    Geocaching ist das Spiel bei dem man draußen Dosen sucht. Wenn man im erreichbarem Umkreis nur noch (persönlich) unlösbare Ratehaken hat ist das einfach nur frustrierend und hat mit Cachen nichts mehr zu tun. Sollen die Rätselfreunde doch ihren eigenen Club aufmachen.

  • #7

    Hugo (Samstag, 24 Oktober 2015 10:44)

    Dem stimme ich voll zu!

    Die selbsternannten Moralapostel brauchen wohl immer jemanden auf dem sie herumhacken können, das ist leider eine menschliche Uneigenart und führt letzlich zu dem was die Nazis mit der Bücherverbrennung und menschlicher Vergasung begonnen haben und nun von Elementen wie der Iss im Namen ihres "Gottes" fortgesetzt wird...