Buchtest: "Geocaching - Die Welt in der Dose" von Frank Trepte

Dies ist ein Buchtest. Keine Rezension, weil das viel zu hochgestochen klingt, obwohl es ein- und dasselbe ist.

Egal, scheißt der Hund drauf.

Hier ist mein Senf zu Frank Treptes neuem Buch "Geocaching - Die Welt in der Dose".

 

 

Die Rechtschreibprüfung

Zunächst möchte ich mich den "technischen" Dingen zuwenden, auch wenn das wahrscheinlich kein Schwein interessiert.

Beim Verlag handelt es sich um einen Zuzahlverlag, bei dem der Autor an den Druckkosten beteiligt und kein verlagsinterner Lektor tätig wird. Angesichts dieser Tatsache finden sich in Franks aktuellem Werk erstaunlich wenig Rechtschreibfehler. Der süßeste ist der "Pettling", der grundsätzlich immer mit Doppel-"T" geschrieben wird.

Unschön sind Abkürzungen, die in Büchern nichts zu suchen haben, sowie die Inkonsequenz, mit der sie angewendet werden. Mal findet sich die Abkürzung "ca.", mal wird "circa" ausgeschrieben. Auch das Wort "inklusive" gehört ausgeschrieben und nicht "inkl." abgekürzt, da es sich um ein Buch handelt und nicht um den Werbeprospekt eines Möbel- oder Autohauses.

Richtig fasch sind manche Uhrzeiten. Während beispielsweise "8:35 Uhr" auch "8:35 Uhr" geschrieben wird, muss es bei einem Fund um 10 Uhr auch "10 Uhr" heißen und nicht "10:00 Uhr". Dieser Fehler ist der zunehmenden "Digitalisierung" von Datümern und Uhrzeiten in geschriebenen Werken geschuldet. Leider wird das immer mehr zum Usus, und vermutlich wird es irgendwann auch als alternative Schreibweise im Duden stehen...

Darüber hinaus finden sich Satzzeichenfehler, die im vierstelligen Bereich liegen und in der Kommasetzung begründet sind. Sätze, die als eigenständige Hauptsätze in einen Satz integriert sind, werden im Buch so gut wie nie durch ein Komma getrennt. Gleiches gilt für eingegliederte Nebensätze. Diesbezüglich ist dringend Nachbesserung angesagt.

Was ebenfalls gar nicht geht, sind die Bilder. In einem Zeitalter, in dem Schwarz-Weiß-Fotos, selbst bei Tageszeitungen, längst der Vergangenheit angehören, haben sie in einem Buch, das den Anspruch erhebt, halbwegs aktuell zu sein, absolut nichts verloren. Da ist auch ein Druckkostenzuschuss keine Entschuldigung.

Nicht zuletzt fehlen häufig An- und Abführungen zitierter Begriffe, und auch das Durchkoppeln scheint dem Autoren oft fremd zu sein.

Orthographisch betrachtet, ist das Buch leider nicht einmal mehr "ausreichend", sondern "mangelhaft".
Über die Seriösität von Verlagen, die eine solche Flut an Fehlern veröffentlichen, kann man sich durchaus streiten. Fakt jedoch ist, dass Fehler in dieser Häufigkeit niemals bei einem professionell arbeitenden Verlag, der einen Lektor beschäftigt, durchs Lektorat gehen würden.

Aber wie bereits gesagt: Das interessiert vermutlich kein Schwein, obwohl es schade ist, denn Bücher waren irgendwann mal relativ fehlerfrei und dienten - als beiläufiger Nebeneffekt - der Schulung der Lese- und Schreibkompetenz. Diesbezüglich ist dieses Buch leider völlig ungeeignet.

 


Zum Inhalt

Frank beschreibt im Erzählstil seine Abenteuer beim Dosensuchen. Das Buch liest sich flüssig, man kann es durchaus innerhalb von zwei Tagen komplett durchlesen, ohne dass einem dabei langweilig wird.

Man hat als Leser Teil an Erlebnissen, die vielen von uns in ähnlicher Form ebenfalls schon mal widerfahren sind und erkennt sich selbst beim Dosensuchen wieder.

Quasi als Nebeneffekt stellt Frank sich mit seiner Sichtweise der Dinge auch als einen der unzähligen Cacher-Typen vor, die unserem gemeinsamen Hobby nachgehen. Da gibt es die Ungeduldigen, die von einer Dose zur nächsten hetzen und womöglich noch Stempel in Micro-Logbücher klatschen, weil’s schneller geht, die Genusscacher, die Einheitslogger, die Rätselfreunde, die Statistik-Cacher und noch viele Typen mehr. Frank wird geradezu fuchsig, wenn er mit Frau/Freunden unterwegs ist und eine Dose nicht als Erster findet. Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Mir ist es relativ bis völlig egal, wer von uns die Dose findet, wenn wir zu Zweit oder mit mehreren Leuten unterwegs sind. Jedenfalls ist es amüsant zu lesen, wie Frank die Mitcacher am liebsten töten würde, wenn jemand anderer als er die Dose entdeckt.

Apropos amüsant: Was nicht funktioniert, ist der Versuch des Autoren, lustig sein zu wollen. Derartige Stellen kommen nicht allzu oft im Buch vor, aber wenn, lesen sie sich meist wie gewollt und nicht gekonnt.

Nicht allzuviel anfangen kann ich persönlich mit Franks Logeinträgen gefundener Caches, die den Lesefluss ausbremsen und eigentlich niemanden wirklich interessieren, außer vielleicht die jeweiligen Owner.

Bei den Abenteuern handelt es sich natürlich nicht um 08/15-Caches, sondern um schön gestaltete Tradis und Multis, die Frank sehr detailliert schildert und teilweise auch bebildert. Schade ist einerseits, dass die entsprechenden GC-Codes nicht dabei stehen, was andererseits allerdings auch verständlich ist, da die Lösungen vielfach vorgegeben werden.

Im Anhang werden Begriffe rund ums Geocaching erklärt, die im Buch fett gedruckt sind. Erfahrene Cacher finden hier nichts, was sie nicht schon kennen; Cacher, die noch nicht solange dabei sind, können allerdings noch etwas lernen.

Die Sprache ist verständlich und lebendig, wobei man zwar merkt, dass hier kein Profi, sondern ein Hobby-Schreiber am Werk ist, aber das gibt dem Buch gleichzeitig auch eine gewisse Authentizität. Und schließlich gibt es ja auch keine Cacher, die mit dem Dosensuchen Geld verdienen.

Für mein Dafürhalten ist "Geocaching - Die Welt in der Dose" auf jeden Fall lesenswert.

 

Andere Meinungen

Genau genommen ist es nur eine andere Meinung, und zwar die ehrliche eines guten Freundes, der als Deutschlehrer an einem Gymnasium arbeitet. Er ist ein Muggel, kennt das Geocaching aber in Grundzügen, da wir bereits einige Male zusammen unterwegs waren.

Bezüglich der Orthographie war auch seine Meinung: "Das geht überhaupt nicht."

Sprachlich hat er Dinge beanstandet, die mir in dieser Form nicht sauer aufgestoßen sind, und inhaltlich hätte er sich als Nicht-Cacher eine sachlichere Herangehensweise ans Geocachen gewünscht, um auch Außenstehende dafür begeistern zu können.

 

Die Zielgruppe

Angesprochen werden vor allem (und eigentlich ausschließlich) Leser, die dem Cachen verfallen oder zumindest bereits vom Virus infiziert sind. Für alle anderen ist das Buch sicherlich zu "outstanding", da hier nichts sachlich beschrieben, sondern ausschließlich durch die Brille eines Cache-Enthusiasten betrachtet wird.
Das ist natürlich genauso gewollt und daher kein Manko, schränkt aber dadurch halt die Zielgruppe auf diejenigen, die dieses Hobby bereits betreiben oder damit beginnen wollen, ein.

 


Ein paar zusätzliche Gedanken

Dem gemeinen Leser (nicht des Buchs, sondern dieses Buchtests) mögen einige Kritikpunkte vielleicht großkoztig oder unwichtig erscheinen. Sie sind aber meinerseits weder großkotzig gemeint, noch wirklich unwichtig.

Vielleicht sind meine Ansprüche an ein gutes Buch höher als die vieler anderer. Nichtsdestotrotz haben Bücher meiner Meinung nach immer noch eine Vorbildfunktion, und die kann "Geocaching - Die Welt in der Dose", zumindest orthographisch, nicht erfüllen. Das ist Fakt, sofern es keine zweite Auflage geben wird, bei der diesbezüglich drastisch nachgebessert wird.

 

Über alles andere kann man sicherlich streiten, zumal meine persönliche Meinung nicht die maßgebliche ist.

Dass es Verlage gibt, die Manuskripte, ohne Korrektur zu lesen, veröffentlichen, ist ein Manko. Nein, nicht nur ein Manko, es ist schlichtweg große Scheiße..

Aber gäbe es solche Verlage nicht, hätte dieses, durchaus unterhaltsame, Buch von Frank Trepte, niemals das Licht der Welt erblickt. Denn aktuell kommt auf mehr als 5000 eingereichte Manuskripte bei Verlagen, die ohne Druckkostenzuschüsse von Autoren arbeiten, lediglich eine Veröffentlichung.


Publizieren ist heute einfacher denn je, und manche "Schreiberlinge" machen dies aus reiner Selbstbepinselung, nur um irgendetwas veröffentlicht zu haben.

Das ist bei Franks Buch definitiv nicht der Fall. Hier schreibt ein Enthusiast für andere Enthusiasten, die beim Lesen auf jeden Fall etwas mitnehmen können.

Allerdings sollte man als Autor, der sein Werk bei einem Verlag publiziert, der sich ausschließlich ums reine Veröffentlichen kümmert, im Vorfeld zumindest jemanden zu Rate ziehen, der das Manuskript gründlicher auf Fehler prüft, als das bei "Geocaching - Die Welt in der Dose" der Fall war.


Bezugsquellen

Erhältlich ist das Buch in gut sortierten Cacher-Shops oder im Buchhandel unter der ISBN-Nummer 978-3-943360-44-8 (literates-Verlag).

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Kommentare: 2
  • #1

    frostengel (Jochen) (Sonntag, 25 Januar 2015 00:44)

    Hi,

    ich habe gerade deine Rezension (oder wie immer du es nennen willst) gelesen und bin ein bisschen darüber gestolpert, dass du direkt am Anfang verkündest,
    "Angesichts dieser Tatsache finden sich in Franks aktuellem Werk erstaunlich wenig Rechtschreibfehler",
    dann aber durchweg über die Orthographie (=Rechtschreibung) meckerst. Passt nicht zusammen oder muss ich den ersten Satz so deuten, dass du sogar noch mehr Rechtschreibfehler erwartet hättest?

    Herzliche Grüße
    Jochen

  • #2

    lichtinsdunkels-geocachin (Sonntag, 25 Januar 2015 05:11)

    Mit "Rechtschreibfehler" habe ich lediglich die Wörter gemeint, nicht die Zeichensetzung.
    Aber du hast natürlich völlig recht. Orthographie = Rechtschreibung, und dazu zählt auch die Zeichensetzung.
    Da habe ich nicht richtig differenziert, sorry.